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Internationale Pflegebildung im Dialog: Exkursion Jena – Valais-Wallis

Im Rahmen einer internationalen Studienexkursion der EAH Jena und der Schweizer Haute École de Santé (HES) Valais-Wallis fanden vom 17. bis 22. Mai 2026 fachlicher Austausch und gemeinsame Bildungsaktivitäten statt. Die Exkursion ist Teil einer langjährigen Kooperation, initiiert von Prof. Dr. Stephan Dorschner (Jena) und Prof. Fernando Carlen (Valais-Wallis), mit dem Ziel, internationale Perspektiven in der Pflegebildung zu stärken und praxisnahe Forschungskompetenzen zu fördern.

Zehn Studierende des Bachelorstudiengangs Pflege/Pflegeleitung der EAH Jena (5. Semester) und neun Studierende der HES Valais-Wallis (4. Semester) tauschten sich interkulturell und interprofessionell über unterschiedliche Ausbildungsstrukturen, Versorgungsmodelle und Rollenverständnisse in Deutschland und der Schweiz aus. Im Fokus standen insbesondere die Studienorganisation, Praxisanteile, Kompetenzentwicklung sowie die Studienfinanzierung.
Die HES Valais-Wallis präsentierte sich als moderne, studierendenzentrierte Hochschule mit digitalen Bibliotheksservices, flexiblen Lernräumen und engen Verbindungen zur regionalen Gesundheitsversorgung. Besonders hervorgehoben wurden die kantonale Spitalplanung mit der Zentralisierung stationärer Leistungen und der Ausbau der Hochschule für Gesundheit in Brig.

Ein zentraler Programmpunkt war die Vertiefung des Forschungsprozesses: Die Studierenden diskutierten Themenfindung, Forschungsfragen und digitale Hilfsmittel wie Scribbr. Der Austausch zu qualitativer und quantitativer Forschung, insbesondere im Kontext interkultureller Herausforderungen, wurde ergänzt durch Berichte über die Teilnahme am European Network of Nursing in Higher Education (ENNE) in Salzburg.

Die Exkursion umfasste auch kulturelle und regionale Einblicke: den Besuch der Ruhestätte von Rainer Maria Rilke in St. German, Wanderungen im Wallis, kulinarische Begegnungen mit regionalen Spezialitäten sowie die Auseinandersetzung mit der alpinen Landschaft und den wirtschaftlichen Strukturen der Region, darunter Tourismus, Landwirtschaft und Wasserkraft.

Im Spitalzentrum Oberwallis wurden die funktionale Architektur, die patientenorientierten Stationen und die digitalen Versorgungssysteme vorgestellt. Das Clinical Research Center (CRC) fungiert als zentrale Schnittstelle für Forschung, Ethik und Studienkoordination – mit Schwerpunkten auf Berufseinmündung und praxisnaher Forschung.

Ein besonderer Höhepunkt war die Präsentation des Projekts „LoetschenCareBot“, einer digitalen Plattform zur Unterstützung pflegender Angehöriger, entwickelt in Kooperation mit dem Altersheim St. Barbara Lötschental und Avalems, gefördert durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Der Besuch des Hospizes „HOPE“ in Ried-Brig, 2024 eröffnet, zeigte ein ganzheitliches, menschenzentriertes Konzept: Keine „Patientinnen und Patienten“, sondern „Menschen“ werden begleitet. Mit wohnlichem Ambiente, engagierten Freiwilligen und einem kleinen Team wird eine würdevolle Sterbebegleitung in einer ruhigen, häuslichen Umgebung ermöglicht. Finanziert über kantonale Mittel, Spenden und Gemeindebeiträge, ist „HOPE“ ein Modell für palliative Versorgung im Oberwallis.

Ethik spielte eine zentrale Rolle: Diskutiert wurden die Schweizer Regelungen zur Sterbehilfe, die Rolle der Pflege im assistierten Suizid sowie die Prinzipien des Belmont Reports (Respekt, Nutzen, Gerechtigkeit). Die Arbeit von Ethikkommissionen wurde als zentral für wissenschaftliche Integrität und Schutz der Beteiligten erläutert.

Die Exkursion verband Wissenschaft, Praxis, Forschung und Ethik in einem interkulturellen Kontext. Sie förderte nicht nur den Austausch zwischen den Studierenden, sondern eröffnete neue Perspektiven auf die zukünftige Entwicklung der Pflege in Europa.

Die Exkursion war eine tief beeindruckende Erfahrung – besonders der Besuch im Hospiz „HOPE“, dessen menschliche Würde und respektvolle Begleitung nachhaltig wirken. Unser herzlicher Dank gilt der HES Valais-Wallis und allen Beteiligten für die großartige Organisation und Zusammenarbeit.


(Roberta Frank)