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Ideen gesucht - Praxis trifft Hochschule

Studierende der Personalwirtschaft erstellen für die GRAFE Gruppe/Blankenhain ein kreatives Konzept der Azubi-Rekrutierung.

„Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik“ – ein Beruf, den viele Thüringer Firmen, so auch die GRAFE Gruppe aus Blankenhain – Technologieführer in der Veredelung von Kunststoffen –, dringend ausbilden möchten. Jedoch ist dieser, in seinen beruflichen Entwicklungsperspektiven sehr attraktive Beruf so unbekannt bei den Jugendlichen, dass Ausbildungsplätze regelmäßig unbesetzt bleiben. Seit Jahren ist der KFZ- Mechatroniker auf Platz 1 der beliebtesten Ausbildungsberufe für Jungen in Deutschland. Frau Dr. Colette Friedrich, Personalleiterin der GRAFE Gruppe, verdeutlicht das Dilemma: „GRAFE ist als Marke und als guter Arbeitgeber sehr bekannt in der Region. Für unsere anderen Ausbildungsberufe, hauptsächlich im Verwaltungsbereich, erhalten wir viele Bewerbungen. Allerdings suchen wir hauptsächlich Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik - und diese Suche ist seit Jahren sehr frustrierend.“

Die GRAFE Gruppe hat zu diesem Thema den Rat von BWL-Studierenden an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena eingeholt. Zwei Semester lang hat eine studentische Projektgruppe im sechsten Semester des Schwerpunkts Personalwirtschaft keinen Stein auf dem anderen gelassen, um ein kreatives Konzept der Azubi-Rekrutierung zu erstellen.

So wurden nicht nur Literaturstudien zur den Besonderheiten der Generation Z betrieben, sondern insbesondere umfangreiche Befragungen durchgeführt. Informationen zu den verwendeten Medien und Webseiten und unterstützenden Personen bei der Berufswahl wurden bei Schülerinnen und Schülern der umliegenden Real- und Gemeinschaftsschulen erfragt, als diese am Tag der offenen Tür in Blankenhain waren. Sieben Personalverantwortliche von Vergleichsunternehmen standen Rede und Antwort für Best Practice Beispiele und schließlich wurden auch die firmeneigenen Auszubildenden befragt, wie sie zum Beruf des Verfahrensmechanikers und zum Unternehmen GRAFE gekommen waren.

Die Ergebnisse zeigten, dass GRAFE schon vieles richtig macht. So waren alle Auszubildenden des Unternehmens mit der Ausbildung sehr zufrieden und alle äußerten den Wunsch, nach der Ausbildung im Unternehmen bleiben zu wollen.

Wie nun aber die Anzahl von Bewerbern für diesen unbekannten Ausbildungsberuf erhöhen? Enge Zusammenarbeit mit Schulen, Ausbildungsmessen, Tage der offenen Tür, Sponsoring, Schülerpraktika sind alles Dinge, die selbstverständlich sind. Was noch? Die Studierenden lieferten gute Ideen in Bezug auf die Sichtbarkeit des Unternehmens GRAFE und deren Berufsausbildung in Suchmaschinen, insbesondere bei „Google“ und die Nutzung der „richtigen“ Online-Plattformen und sozialen Medien. Empfohlen wurde, die eigenen Azubis mehr einzubeziehen und z.B. kurze selbsterstellte und damit authentischere Clips auf Instagram zu veröffentlichen. Da ein – überraschendes – Resultat der Befragungen war, dass die Jugendlichen bei der Berufswahl sehr auf die Meinung von Eltern und Bekannten zählen, bleibt auch die Inserierung in Tageszeitungen bzw. Werbung z.B. an Bushaltestellten ein Mittel der Wahl (welches die Firma bereits eingestellt hatte). Eine neue Marketingkampagne zusammen mit den IHKs unter dem Titel: „Der Verfahrensmechaniker - mehr als Maschinenbediener“ wurde vorgeschlagen. Und schließlich sollten die Entscheidungsträger darüber nachdenken, ob eine sinnvolle Umbenennung des Lehrberufes z.B. in „Kunststofftechnologe“, „Verfahrenstechniker für Kunststoff- und Kautschuk“ oder „Fachkraft für Kunststoff- und Kautschuktechnik“ den Lehrberuf begrifflich weniger sperrig und damit attraktiver für die Schulabgänger macht.

Die sieben Studierenden des Projektteams der Ernst-Abbe-Hochschule haben unter der Leitung von Marcus Heller überaus nützliche Arbeit geleistet! GRAFE bedankte sich mit einem Scheck von 800,- Euro für das Konzept, welchen das Projektteam – in Fortführung einer langjährigen Tradition  -  an einen gemeinnützigen Verein spendete. Und so profitierte nicht nur GRAFE, sondern auch die „Kindersprachbrücke in Jena“ mit ihren wichtigen Aktivitäten zur Förderung von Sprach-, Medien- und Sozialkompetenz von Kindern von der engagierten Arbeit der Studierenden.

Text: Dr. Colette Friedrich

Kontaktdaten:

Dr. Colette Friedrich, GRAFE Gruppe, Waldecker Str.21, 99444 Blankenhain, colette.friedrich@grafe.com

Prof. Dr. Klaus Watzka, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Carl-Zeiss-Promenade 2, 07745 Jena, klaus.watzka@eah-jena.de