Interdisziplinäre Perspektiven auf Krankenpflege, Kindheiten und Kolonialismus – Zwischenpräsentation vor der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V.
Diese Aktivitäten werden von der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V. gefördert. Prof. Dr. Olaf Scupin (Fachbereich Gesundheit und Pflege) ist Mitglied der Sozietät und hatte sich maßgeblich um den Antrag auf finanzielle Unterstützung bemüht. Das Kooperationsprojekt der beiden Fachbereiche umfasst verschiedene studentische und wissenschaftliche Forschungsprojekte sowie Exkursionen und Recherchereisen nach Namibia. Im Mittelpunkt stehen dabei kolonialisierte Kindheiten, Biografien und Tätigkeiten von Krankenschwestern sowie gesellschaftliche und politische Entwicklungen im damaligen Deutsch-Südwestafrika und im Deutschen Kaiserreich. Durch die historische Kontextualisierung wird deutlich, wie Menschenbilder, Haltungen und Handlungsmuster verschiedener Akteurinnen und Akteure geprägt und beeinflusst wurden. Damit rücken Themen in den Fokus, die eng mit Rassismus, Diskriminierung und (kolonialen) Machtstrukturen verbunden sind.
Zunächst legte Karen Reichl, Studentin der Fachbereiche Gesundheit und Pflege sowie Betriebswirtschaft, Ergebnisse aus ihrer Masterarbeit zu den Motivationen und Hintergründen von Frauen dar, die während der Kolonialzeit nach Deutsch-Südwestafrika reisten. Daran anknüpfend stellte Prof. Dr. Diana Düring (Fachbereich Sozialwesen) den aktuellen Forschungsstand zu kolonialisierten Kindheiten vor. Sie ging dabei auf relevante Akteurinnen, Akteure und Institutionen, die bestehende Quellenlage sowie die damit verbundenen Herausforderungen und offenen Forschungsfragen ein. Im Fokus stand insbesondere die Frage, wie der Alltag und das Aufwachsen von Kindern beeinflusst wurden. Abschließend präsentierte Lisa Schotte, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich Sozialwesen, Forschungsergebnisse aus zwei studentischen Projekten zur Erziehung und Bildung sogenannter „halbweißer“ Kinder in zwei Erziehungseinrichtungen der Rheinischen Missionsgesellschaft. Deutlich wurde, dass die Kindheit der „halbweißen“ Kinder durch verschiedene Berufsgruppen und deren Tätigkeiten geprägt wurde. So waren beispielsweise auch Kranken- bzw. Missionsschwestern in den Einrichtungen tätig, die neben der Krankenpflege Einfluss auf die Erziehung und die Sozialisation der Kinder nahmen.
Die Vorträge und vorgestellten Ergebnisse verdeutlichten die Notwendigkeit, diesen Themenkomplex weiterhin interdisziplinär aufzuarbeiten – insbesondere in Zusammenarbeit mit namibischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Community-Vertreterinnen bzw. -Vertretern. Vor dem Hintergrund der oft beschriebenen „kolonialen Amnesie“ verfolgen die beiden Fachbereiche das Ziel, zur wissenschaftlichen Aufarbeitung beizutragen und den Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich kritisch mit der deutschen Kolonialgeschichte und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart auseinanderzusetzen.
(Lisa Schotte)
Kontakte:
Fachbereich Gesundheit und Pflege
Prof. Dr. Olaf Scupin
Mail: Olaf.Scupin@eah-jena.de
Fachbereich Sozialwesen
Prof. Dr. Diana Düring
Mail: Diana.Duering@eah-jena.de