Ernst Abbe - Wissenschaftler, Unternehmer und Sozialreformer
Der Name Ernst Abbe (1840–1905) ist eng mit der Stadt Jena verbunden. 1840 wurde er als Kind einer Arbeiterfamilie in Eisenach geboren. Seine Hochbegabung wurde früh erkannt und sowohl Eltern als auch Lehrer ermöglichten ihm eine sehr gute Ausbildung. Abbe studierte in Jena und Göttingen Mathematik, Physik, Astronomie und Philosophie. Mit etwa 30 Jahren wurde er zum außerordentlichen Professor in Jena berufen. Schon 1867 hatte die Zusammenarbeit von Ernst Abbe und Carl Zeiss in Jena begonnen. Die Arbeit an der Verbesserung der Mikroskope in der Zeiss-Werkstatt, mit dem Ziel, diese aus dem Bereich der bloßen Empirie, des so genannten „Pröbelns", herauszuführen, stellte Ernst Abbe vor eine Lebensaufgabe: Schließlich entwickelte er die „neue Mikroskopie" – eine wissenschaftlich-technische Gesamtleistung, die auf Berechnungen basierte und damit zur Voraussetzung für die kommende Erforschung der Mikro-Organismen wurde. Mit seiner „Theorie der Abbildung im Mikroskop" begründete Ernst Abbe die wissenschaftliche Optik. Carl Zeiss machte Abbe zum Teilhaber in seiner Firma. Ein Jahr nach Zeiss' Tod wurde Ernst Abbe alleiniger Unternehmensleiter und legte bereits damals den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens. Ernst Abbe gründete die Carl-Zeiss-Stiftung, die er 1891 zur Alleineigentümerin der Zeiss-Werke und zur Miteigentümerin der SCHOTT-Werke machte. Dies ermöglichte dem Unternehmen eine einzigartige Verfassung: So gab es für seine Arbeitnehmer unter anderem bezahlten Urlaub, eine Gewinnbeteiligung, Pensionsberechtigung und den Acht-Stunden-Tag. Ernst Abbes sozialpolitische Reformen waren seiner Zeit weit voraus. „Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Mensch sein" – Dieses Motto, entstanden im 19. Jahrhundert in Großbritannien, wird auch Abbe zugeschrieben. Seine Lebenshaltung und der Umgang mit anderen beruhten, ohne Unterschiede von „Stand und Person", auf Integrität, Selbstdisziplin und Bescheidenheit. Ernst Abbes Lebenswerk umfasst eine Verknüpfung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse mit unternehmerischen Möglichkeiten und einem hohen sozial-ethischen Anspruch. Dies stellte er nicht nur dem Unternehmen Carl Zeiss, sondern auch der Universität und nicht zuletzt der Stadt Jena – heute noch erlebbar – zur Verfügung. Ernst Abbe starb am 14. Januar 1905 in Jena.

(Text: Sigrid Neef; Abbildung: Gerlinde Böhnisch-Metzmacher; Quellen: Carl Zeiss AG, Wikipedia, Theodor Heuss: Abbe, Ernst Carl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band1)