Ernst Abbe – Wissenschaftler, Unternehmer und Sozialreformer


Seit dem Sommersemester 2012 trägt die Fachhochschule Jena den Namen „Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena – Hochschule für angewandte Wissenschaften“.

Der Name des Wissenschaftlers, Unternehmers und Sozialreformers Ernst Abbe (1840 – 1905) ist untrennbar mit der Stadt Jena verbunden. Das faszinierende Lebenswerk dieses Mannes verdient jedoch eine weit größere Öffentlichkeit.

Wer war Ernst Abbe?

Er wurde 1840 als Kind einer Arbeiterfamilie in Eisenach geboren. Seine Hochbegabung wurde früh erkannt und sowohl Eltern als auch Lehrer ermöglichten ihm eine sehr gute Ausbildung. Abbe studierte in Jena und Göttingen Mathematik, Physik, Astronomie und Philosophie. Mit etwa 30 Jahren wurde er zum außerordentlichen Professor in Jena berufen.

Schon 1867 hatte die Zusammenarbeit von Ernst Abbe und Carl Zeiss in Jena begonnen. Die Arbeit an der Verbesserung der Mikroskope in der Zeiss-Werkstatt, mit dem Ziel, diese aus dem Bereich der bloßen Empirie, des so genannten „Pröbelns“, herauszuführen, stellte Ernst Abbe vor eine Lebensaufgabe:  Schließlich entwickelte er die „neue Mikroskopie“ – eine wissenschaftlich-technische Gesamtleistung, die auf Berechnungen basierte und damit zur Voraussetzung für die kommende Erforschung der Mikro-Organismen wurde. Mit seiner „Theorie der Abbildung im Mikroskop“ begründete Ernst Abbe die wissenschaftliche Optik.

Carl Zeiss machte Abbe zum Teilhaber in seiner Firma. Ein Jahr nach Zeiss‘ Tod wurde Ernst Abbe alleiniger Unternehmensleiter und legte bereits damals den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens. Ernst Abbe gründete die Carl-Zeiss-Stiftung, die er 1891 zur Alleineigentümerin der Zeiss-Werke und zur Miteigentümerin der SCHOTT-Werke machte. Dies ermöglichte dem Unternehmen eine einzigartige Verfassung: So gab es für seine Arbeitnehmer unter anderem bezahlten Urlaub, eine Gewinnbeteiligung, Pensionsberechtigung und den Acht-Stunden-Tag. 

Ernst Abbes sozialpolitische Reformen waren seiner Zeit weit voraus. „Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Mensch sein“ – Dieses Motto  wird ihm zugeschrieben. Seine Lebenshaltung und der Umgang mit anderen beruhten, ohne Unterschiede von „Stand und Person“, auf Integrität, Selbstdisziplin und Bescheidenheit.

Ernst Abbes Lebenswerk umfasst eine Verknüpfung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse mit unternehmerischen Möglichkeiten und einem hohen sozial-ethischen Anspruch.  Dies stellte er nicht nur dem Unternehmen Carl Zeiss, sondern auch der Universität und nicht zuletzt der Stadt Jena zur Verfügung. Ernst Abbe starb am 14. Januar 1905 in Jena.

Die Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena trägt ihren Namen mit sehr viel Achtung und dem Wissen, dass die interdisziplinäre und nachhaltige Zusammenarbeit ihrer Lehr- und Forschungsbereiche – der Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaft und Sozialwissenschaften – auf dem grundlegenden Wirken des großen Wissenschaftlers, Unternehmers und Sozialreformers beruht.

sn

Quellen:
- Carl Zeiss AG
- Theodor Heuss: Abbe, Ernst Carl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1